Kind, versprich mir, dass du dich erschießt

Kind, versprich mir, dass du dich erschießt

Der Untergang der kleinen Leute 1945

Erschienen am 16.02.2015
304 Seiten
Gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-8270-1247-0
€ 22,99 [D], € 23,70 [A], sFr 30,90
Lieferzeit 2 Werktage

Eine unerzählte Geschichte. Ein bis heute währendes Tabu.

Am 30. April 1945 schoss sich Adolf Hitler in Berlin eine Kugel in den Kopf. Zur selben Zeit strömten im Städtchen Demmin beim Einmarsch der Roten Armee hunderte Menschen in Flüsse und Wälder, um sich dort umzubringen. Ganze Familien wurden ausgelöscht, Eltern töteten ihre Kinder. Demmin ist nur ein Beispiel unter vielen: Eine Selbstmordepidemie ergriff tausende Menschen im ganzen Land. Basierend auf Tagebüchern, Briefen, Berichten und Erinnerungen erzählt dieses Buch erstmals vom Untergang der kleinen Leute. Die Massenselbstmorde von 1945 sind ein bis heute verdrängtes Kapitel der Zeitgeschichte, für die seelischen Wunden, die Überlebende und Angehörige davontrugen, interessierte sich jahrzehntelang niemand. Beidem, der Selbstmordwelle wie dem Schweigen, Verdrängen und Vergessen, lag dasselbe Motiv zugrunde, die Flucht vor dem Unerträglichen. Die tieferen Ursachen aber verbargen sich in der Innenwelt der Deutschen, die zwölf Jahre lang im emotionalen Ausnahmezustand gelebt hatten. Florian Huber entwickelt die Geschichte der Gemüts- und Gedankenwelt der Menschen im Dritten Reich im Wechsel von historischer Reportage und Mentalitätsstudie – ein fesselnder Blick auf die Gefühle der kleinen Leute, die in ihren Untergang marschierten.

Leseprobe

Fluss ohne Brücken
»Wir erreichten gegen Morgen wieder eine Stadt. Demmin.«


Ganz am Ende der schnurgeraden Allee löste sich der Umriss eines mächtigen Kirchturms aus der Dämmerung. Die Fluchtlinien der Chaussee und das Spalier der Ahornbäume lenkten den Blick auf die Turmspitze, die sich nadelfein in die Höhe reckte. Ein Scherenschnitt vor zartrosa Himmel, wie mit dem Rasiermesser in Seidenpapier geritzt. Schlank und wuchtig, filigran und fest zugleich. Zum ersten Mal fanden Irene Brökers Augen Halt in der Gleichförmigkeit des Tieflandes. Sie musste nur weiter direkt da-rauf zusteuern.
 [...]

Florian Huber

Florian Huber

Florian Huber, geboren 1967 in Nürnberg, studierte Geschichte und Volkswirtschaft und promovierte zur Umerziehungspolitik der britischen Besatzungsmacht in Deutschland. Er lebt in Hamburg als Autor von Drehbüchern und historischen Sachbüchern wie »Meine DDR. Leben im anderen Deutschland« und »Schabowskis Irrtum. Das Drama des 9. November«. Seine Dokumentarfilme zu zeitgeschichtlichen Stoffen wie dem Mauerfall, dem Olympia-Attentat 1972 sowie dem 11. September 2001 erhielten zahlreiche nationale wie internationale Preise.

Rezensionen und Pressestimmen

NDR "Kultur aktuell"


»Die Massenselbstmorde nach Kriegsende sind Thema des neuen Buches von Florian Huber 'Kind versprich mir, dass du dich erschießt‘.«   

ZDF heute journal


»Demmin ist überall sagt der Autor Florian Huber in seinem bewegenden Buch über den Untergang der kleinen Leute vor 70 Jahren. Zehntausende Menschen, ganze Familien, töten sich selber aus Verzweiflung, Fanatismus oder Angst vor Rache.«   

NDR Kulturjournal


»In den letzten Kriegsmonaten zwischen Januar 1945 und der Kapitulation am 8. Mai brandete eine beispiellose Suizidwelle durch Deutschland. [...] Besonders schlimm traf es Demmin, eine Kleinstadt in Vorpommern. Der Historiker Florian Huber schildert die Hintergründe der Tragödie in seinem Buch 'Kind versprich mir, dass du dich erschießt'.«   

ndr.de


»Lange wollte niemand die Geschichte des Untergangs dieser 'kleinen Leute' erzählen. Florian Huber hat es nun getan - faktenreich, aber vor allem sehr anschaulich. Ein Blick in die zerstörten Seelen der Stunde Null.«   

Deutsche Welle


»In seinem Buch 'Kind, versprich mir. dass du dich erschießt' beschreibt Florian Huber den größten Massenselbstmord der Geschichte Deutschlands.«   

Deutschlandfunk "Interview"


»Für das Buch mit dem Titel 'Kind, versprich mir, dass du dich erschießt' hat Huber vor allem viele Tagebücher und private Erinnerungen ausgewertet. Er sieht die Ursache für die Selbstmorde in den extremen Gefühlslagen, in denen sich die Menschen im Dritten Reich befanden.«   

hr 2 Kultur "Kulturfrühstück"


»Florian Huber ist nicht nur Historiker, sondern auch Dokumentarfilmer und hat in seinem Buch eine Möglichkeit gefunden Ereignisgeschichte mit persönlichen Schicksalen zu verbinden.«   

Ö1 "Kontext"


»Florian Huber hat nicht nur die Zahlen recherchiert, sondern studierte unzählige Kriegstagebücher und Lebenserinnerungen, um das geistige und psychische Umfeld zu rekonstruieren, in dem sich diese Selbstmordwelle ereignete.«   

MDR Info


»Der Historiker Florian Huber über den Massenselbstmord in Demmin. Dort haben beim Einmarsch der Russen in wenigen Tagen 900 Menschen Selbstmord begangen.«   

WDR 5 "Scala"


»Als der Krieg verloren war, begingen Tausende von Deutschen Selbstmord. Bis heute ein Tabuthema. Nun ergründet der Publizist Florian Huber die Suizide in einer historischen Reportage und Mentalitätsstudie.«   

ORF Kulturmontag


»Aus Scham, das NS-Regime unterstützt zu haben, aus Angst vor Racheakten, aber auch aus Angst vor den heranrückenden Soldaten der Roten Armee haben sich Tausende Deutsche umgebracht. Allein in dem kleinen norddeutschen Städtchen Demmin waren es hunderte, die sich erschossen, erhängten, oder – oft gemeinsam mit ihren Kindern – ins Wasser gingen.«   

WDR 3 "Resonanzen"


»Huber entwickelt die Geschichte der Gemüts- und Gedankenwelt der Menschen im Dritten Reich im Wechsel von historischer Reportage und Mentalitätsstudie.«   

Frankfurter Allgemeine Zeitung


»Sein Buch heißt ‚Kind, versprich mir, dass du dich erschießt‘. In Demmin ist es ein Kassenschlager, und die Käufer erzählen der Buchhändlerin ihre Geschichte.«   

Die Zeit


»Der Historiker und Drehbuchautor Florian Huber erzählt die Geschichte eines Dorfes in Vorpommern, wo sich Hunderte der Wut der Sieger durch kollektive Selbsttötungen entzogen.«   

Schweizer Radio und Fernsehen 1


»Florian Hubers Verdienst ist es, dieses weitgehend unbekannte Kapitel der deutschen Geschichte, aufgearbeitet und sprachlich meisterhaft erzählt zu haben. Er betreibt Grundlagenforschung und leistet Pionierarbeit.«   

Frankfurter Allgemeine Zeitung


»Florian Huber mischt in seiner Darstellung Einzelschicksale, lokale Ereignisse, Großereignisse zu einem schrecklichen Triumph des Todes geradezu Breughelschen Ausmaßes in einem vielleicht nicht todessüchtigen, aber dem Tod zunehmend gleichgültig gegenüberstehenden Volk und macht uns mit einem bislang in diesem Ausmaß weitgehend unbekannten und wohl auch verdrängten Kapitel deutscher Zeitgeschichte bekannt.«    

Süddeutsche Zeitung


»Das alles ist nicht neu, aber selten so eindrücklich beschrieben worden. Wo das historische Sachbuch durch Liebe zur Jahreszahl und nüchterne Faktenlast überzeugt, wählt Huber die historische Reportage. Im Ton eines Moritaten-Erzählers begleitet er die kleinen Leute durch den Malstrom der Ereignisse ohne zu sehr zu psychologisieren.«   

Deutschlandfunk "Andruck"


»Es entsteht eine Art Mentalitätsgeschichte des 'Dritten Reiches' - gespiegelt durch die Erinnerungen von deutschen, aber auch ausländischen Beobachtern, von begeisterten Hitlerjungen, skeptischen Publizisten, von Studenten, Soldaten, Angestellten. Ein permanenter Ausnahmezustand, urteilt Florian Huber.«   

Deutschlandfunk "Büchermarkt"


»Am 30. April gegen 15:30 Uhr. Über die letzten Stunden im Führerbunker sind unzählige Bücher und Beiträge geschrieben, Filme gedreht, Spekulationen geäußert worden. Die Selbstmorde von Demmin dagegen wurden verdrängt und vergessen. Das wird sich nun ändern. Denn Florian Hubers Publikation über den Massensuizid in Demmin und vielen anderen ostdeutschen Orten gehört zu den wichtigsten Sachbüchern dieses Frühjahrs. Sicher ist es das Schockierendste.«   

siegburg.de


»Der Autor gewährt einen emotionalen und auch sachlichen Einblick in das Funktionieren der deutschen Gesellschaft die die Glorifizierung des Führers zu einer Art Volksrausch werden lässt, der erst mit dem Beginn des Russlandfeldzuges 1941 an Ausmaß einbüßt.«   

Sedina-Archiv Pommern


»Florian Huber entwickelt die Geschichte der Gemüts- und Gedankenwelt der Menschen im Dritten Reich im Wechsel von historischer Reportage und Mentalitätsstudie - ein fesselnder Blick auf Gefühle der kleinen Leute, die in ihren Untergang marschierten.«   

Oranienburger Generalanzeiger


»Nach dem Krieg hat niemand mehr über diese Selbstvernichtung sprechen wollen. Hubers Buch ist das erste, das dieses Thema in solcher Gründlichkeit behandelt. Und es ist vielleicht das erschütterndste und ergreifendste von den vielen, die in jüngster Zeit über den Zweiten Weltkrieg erschienen sind.«   

Kommentare zum Buch
1.
am 29.02.2016 - 17:36:24

2. Kind, versprich mir, dass du dich erschießt - Der Untergang der kleinen Leute 1945
Mayer Rudolf am 23.01.2016 - 22:45:07

Sehr geehrter Herr Huber, habe diese grausame Zeit selbst als Hitlerjunge miterlebt. Habe meine gesamte Familie verloren. Obwohl schon so viele Jahre vergangen sind, konnte ich die Emotionen, die mich wieder belasteten, nicht unterdrücken. Möge uns allen eine solche Tragödie in Zukunft erspart bleiben. Vielen Dank für Ihre ausgezeichnete Arbeit. Herzliche Grüsse, Mayer Rudolf

3.
am 03.07.2015 - 21:00:34

4.
am 03.07.2015 - 21:00:15

5.
am 03.07.2015 - 21:00:14

6.
am 03.07.2015 - 20:59:16

7.
am 20.04.2015 - 20:44:48

8.
am 20.04.2015 - 20:44:45

9. Mr.
C. Garcia am 20.04.2015 - 09:43:31

Would you be so kind as to translate this book into English or advise me as to where it could be ordered in this language.   Thank you, C. Garcia

10.
am 20.02.2015 - 18:54:51

11.
am 20.02.2015 - 18:54:49

12. Kind, versprich mir, dass du dich erschießt
Seidel,Carla am 19.02.2015 - 19:49:34

Ich habe heute einen Beitrag in 3sat über Florian Huber gesehen und war überrascht und irritiert, dass ich über Demmin nie etwas gehört habe. Es ist traurig und beschämend für unseren Staat, diese Menschen zu vergessen bzw. diese Thema als Tabu zu behandeln. Ich werde mir dieses Buch sofort kaufen.

13.
Katharina von Oltersdorff - Kalettka am 09.02.2015 - 22:06:32

Ich bin mehr als gespannt diesen Teil meiner eigenen Familiengeschichte aufbereitet zu sehen und bin Ihnen zutiefst dankbar dafür, dass sie sich diesem schmerzhaften Kapitel angenommen haben.   Herzlichst,   Katharina von Oltersdorff - Kalettka   www.panoramaofnorway.com

14.
Seidel Marianne am 09.02.2015 - 13:31:37

Ich habe heute einen Beitrag in der Rosenheimer Zeitung gelesen und war sehr interessiert, weil ich aus Anklam komme und wir einiges von unseren Eltern erfahren haben. Ich bin erst 1948 geboren und kenne auch Demmin. Ich weiß von meiner Mutter, dass sich auch in Anklam einige Familien umgebracht haben, weil sie Angst vor den Russen hatten. Seit ich Rentnerin bin lese ich sehr viel über die Geschichte Deutschlands und das Mittelalter. Jetzt interessiert mich das Buch auch und ich werde es mir kaufen sowie es raus ist. MfG Marianne Seidel 

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