Eine Rose für Putin

Eine Rose für Putin

Oder Die unvollendeten Aufzeichnungen des Johann Stadt

Erschienen am 16.02.2015
320 Seiten
Gebunden mit Schutzumschlag
Roman
ISBN: 978-3-8270-1263-0
€ 19,99 [D], € 20,60 [A], sFr 26,90
Lieferzeit 2 Werktage

Eine wahnwitzige Geschichte über Ost und West

Ein Kidnapping aus dem Land der bestbewachten Grenzen? Da sind doch höhere Mächte im Spiel! Ein Elternpaar ringt um sein verlorenes Kind, ein Ermittler um die richtige Lösung, eine weißrussische Frau um ihr Leben und ein Autor mit seinem Regisseur um die richtige Geschichte. Mit dieser so außergewöhnlichen wie komischen Konstruktion erschafft Thomas Wendrich den Nachwende-Roman unserer Zeit.

 

Ein ungeklärter Kindesraub 1985 in Görlitz? Eine Entführung außer Landes? Eigentlich nicht vorstellbar zu Zeiten streng bewachter Grenzen – es sei denn ...

Johann Stadt hat sich mit seinem Regisseur in ein uckermärkisches Landhaus zurückgezogen, um diesen historischen Stoff zu entwickeln. Was dem Drehbuchschreiber dort jedoch widerfährt, ist mehr als der Musenkuss für eine unglaubliche Geschichte, er sieht sich plötzlich mit völlig unerwarteten Erscheinungen konfrontiert: misstrauischen Dorfpolizisten, einer immer wieder auftauchenden Postbotinnenleiche, unmusischen Provinzpolitikern, geschäftstüchtigen Atomforschern, dem langen Arm des KGB und nicht zuletzt einem aufgescheuchten Schwanenclan. Thomas Wendrichs ideensprühendes Debüt ist eine Roadnovel ohne Fahrbahnmarkierung - eine unerhörte Story über die Verschiebung des Westens in den Osten und die Ausbreitung des Ostens im Westen. Mit Gespür für Chaos, aberwitzige Situationen und literarische Traditionen erzählt er vom Wahnsinn, das Unfassbare festhalten zu wollen.

Leseprobe

Blatt 1
Traumhaft schön ist der Ort. Ruhig. Einfach und sehr praktisch. Die Vermieterin wünscht am Telefon einen produktiven Aufenthalt. Sie hat uns einen Strauß Forsythien auf den Tisch gestellt. Die Sonne wirft seinen verzweigten Schatten an die Wand, neben meinen. Ihre Wärme dringt mir ins Gesicht. Während ich mich strecke, treiben die grindigen Zweige erste Blüten. Entfalten sich lautlos. Gelb. Wie Wassertropfen blähen sie sich, bis sie zerreißen und ihren goldenen Stern nach dem Licht ausrichten.
Nimm mal das Gemüse vom Tisch!
M., mein Chef, bringt sich in Stimmung. Ich tue ihm [...]

Thomas Wendrich

Thomas Wendrich

Thomas Wendrich, geb. 1971 in Dresden, studierte Schauspiel an der HS für Film und Fernsehen in Babelsberg und war bis 1999 Mitglied des Berliner Ensembles. Dort spielte und lernte er u.a. bei Schleef, Müller, Heise, Wilson und Zadek. Seit dem Studienabschluss an der Drehbuch-Akademie der dffb in Berlin 2001 arbeitet er als freischaffender Autor, Regisseur und Schauspieler. »Nimm Dir Dein Leben« erhielt den Deutschen Drehbuchpreis 2002. Der Kurzfilm »Zur Zeit verstorben« (2004) führte als Publikumserfolg zum ersten Langspielfilm »Maria am Wasser« (2006). Seither »Freischwimmer« (2007), »Lenz.« (2010), »Freie Radikale« (2012) sowie die Romanadaption von Daniel Kehlmanns »Ich und Kaminski« (2015) für und mit Wolfgang Becker. Er lebt in Berlin.

0 Buchblog: Veröffentlicht am 26.03.2015 - 10:51 von

Interview mit Thomas Wendrich (IX)

 Die letzten Fragen

 

Ich lese leidenschaftlich gern. .. Aber Autoren sind mir normalerweise ein Graus.

Haben Ihre liebsten Autoren Ihre Lieblingsbücher geschrieben?  Welche?

Ich kenne die Autoren meiner Lieblingsbücher leider nicht persönlich. Nur ihre ins Deutsche übertragenen Texte. Der Fremde. Schuld und Sühne. Das große Heft. Park ohne Ende.

 

Es gibt Momente, in denen ich etwas sehe, was für andere nicht existiert. Und da ich es formuliere, erhält es Eingang in die Welt.

Eine mögliche Definition des Künstlers?

Unbedingt.

 

Der Himmel der nie gestellten Fragen ist riesig.

Welche würden [...]

0 Buchblog: Veröffentlicht am 12.03.2015 - 16:11 von Berlin Verlag

Interview mit Thomas Wendrich (VIII)

Alles wird besser, nichts wird gut.

Die richtige Antwort auf Putin?

Nein. Das ist ein Zitat. Eine Liedzeile von Silly. Und somit wohl eher eine Reminiszenz an die verschwundene DDR

Auf Putin gibt es keine Antwort. Keine richtige oder falsche. Es gibt nur konkrete Fakten. Und auch die lassen sich – je nach dem, wo man steht – in höchst unterschiedliche Zusammenhänge packen. Ich glaube, dass Putin für die Reste der Sojus eine festigende Größe ist. Doch wer ist er und was macht er? Wer kennt ihn wirklich? Er ist ein Mann des Geheimdienstes, der Waffen, der Macht, der subtilen Spielchen. Wäre es [...]

0 Buchblog: Veröffentlicht am 02.03.2015 - 11:03 von

Interview mit Thomas Wendrich (VII)

Alvart kannte diesen lokalen Patriotismus der Dresdner. Als hätte hier vor hundert Jahren schon mal jemand Flusswasser gesoffen.

Die richtige Antwort auf PEGIDA?

Nein! Ich glaube nicht, dass dies eine Antwort auf PEGIDA ist. Dafür ist PEGIDA zu marginal. Es ist ein viel älterer Patriotismus gemeint, der in Dresden zwei Weltkriege überlebt hat. Es gibt einen Patriotismus, der direkt aus der Zerstörung der Stadt stammt. Ein geografisch-architektonischer Patriotismus eher als ein politischer. Wobei es dabei auch immer Deckungsgleichen gibt. Denn wir wissen natürlich auch, dass Hitler in Dresden [...]

0 Buchblog: Veröffentlicht am 26.02.2015 - 16:11 von Berlin Verlag

Interview mit Thomas Wendrich (VI)

Neben Dostojewski ist alles nichts ...

Soll man dennoch schreiben? Warum?

Ich weiß nicht, ob man schreiben soll. Ich kann mir vorstellen, auch anders zu erzählen. Aber für mich ist es die große Möglichkeit, mich mit meinen Dämonen auseinanderzusetzen. Johann Stadt ist ein junger Autor, ein glühender Mensch, der eine Vorliebe für die gefallenen Figuren der russischen Klassiker entwickelt. Für ihn ist Dostojewski in allem fantastisch. Und es ist schwer für ihn, sich in ein Licht zu rücken, wenn er ihn strahlen sieht. Das ist eher wie bei Thomas Bernhard im Untergeher: Nimmt man sich und seine [...]

0 Buchblog: Veröffentlicht am 23.02.2015 - 16:05 von Berlin Verlag

Interview mit Thomas Wendrich (V)

Dreißig Mann um einen Kofferfernseher! und wer hat’s erfunden? – Die Zonis!

Wo haben Sie 1985 das Wimbledonfinale von Boris Becker gegen Kevin Curren gesehen? Haben Sie es gesehen?

 

Ich habe das Wimbledonfinale nicht gesehen, denn ich mach(t)e mir nichts aus Tennis. Aber ich habe Leute gesehen, die das Tennismatch auf einem Kofferfernseher verfolgten. Ein Kofferfernseher, der im Kofferraum eines Ladas stand. Das war auf einem Rastplatz der Autobahn bei der Abfahrt Moritzburg. Dort gab es den ersten guten Empfang, wenn man aus dem Elbtal heraus war. Ich war ziemlich überrascht, wie viele [...]

0 Buchblog: Veröffentlicht am 20.02.2015 - 12:54 von

Interview mit Thomas Wendrich (IV)

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Das Kind ist weg, aber es wächst weiter. Eigentlich sollte es doch so alt bleiben wie bei seinem Verschwinden.

In EINE ROSE FÜR PUTIN beschäftigen Sie sich nicht zum ersten Mal mit dem Weiterleben nach dem Verlust von Eltern bzw. Kindern und den Möglichkeitsräumen eines Wiedersehens. Seit wann genau verfolgen Sie diesen Themenkomplex?

Seit 10 Jahren sicher. Aber eigentlich seit ich denken kann.

Die Sehnsucht etwas Vermisstes, lange Entbehrtes zurück zu bekommen, wieder zu treffen ist der Motor für lange Erzählungen und unendliche Heldenreisen seit der Antike. Es ist der Motor nicht zuletzt für [...]

0 Buchblog: Veröffentlicht am 19.02.2015 - 11:21 von Berlin Verlag

Interview mit Thomas Wendrich (III)

Die Beweggründe der Figuren gestalten sich.*

Sowohl bei der kriminalistischen Arbeit des charismatischen Ermittlers Alvart, als auch beim Storytelling Johann Stadts geht es um eine logische, plausible Zusammenstellung von Wissensfragmenten, um Motive letztlich – wenn auch zu jeweils anderen Zwecken. Welche Parallelen und Unterschiede würden Sie zwischen Alvart und Stadt ziehen?

Ganz faktisch ist der eine ein Kriminalist der andere ein junger Autor. Die Gemeinsamkeit ist eventuell ihre Neugier und ihr Gespür für das Dramatische. Im Leben, in der Geschichte.

Aber der Satz ist eine Aussage, die [...]

0 Buchblog: Veröffentlicht am 17.02.2015 - 00:00 von Berlin Verlag

Interview mit Thomas Wendrich (II)

Bestimmte Dinge ereigneten sich, eben weil Johann sie erfunden hatte.

Die Dynamik Ihres Romans entwickelt sich aus Fakten – eine Kindesentführung im Jahr 1985 –, driftet im Ringen um die Geschichte aber in von Johann Stadt scheinbar schnell entworfene, scheinbar nicht zusammenhängende Skizzen ab, die dennoch eigentümliche Verflechtungen und eine für Skizzen atypische Lebenssattheit aufweisen. Vielleicht, weil im Zentrum immer Johanns ungeklärte Identität lauert und sie zusammenhält?

Warum erzähle ich eine Geschichte? Und was passiert, wenn ich dabei merke, dass sie wie meine eigene klingt?

J [...]

0 Buchblog: Veröffentlicht am 16.02.2015 - 16:04 von Berlin Verlag

Interview mit Thomas Wendrich (I)

»Grundsätzlich möchte ich voranstellen, dass sich das Meiste, das ich schreibe, einer konkreten Analyse entzieht. Es passiert, so wie es passieren kann, dass man in den Regen kommt.« Thomas Wendrich

Ein Drehbuch ... nichts weiter als die Anleitung zur Verfertigung eines Films

Bisher kennt man Sie als Regisseur, Schauspieler – und Drehbuchautor. Eine Rose für Putin ist ihr erster Roman. Inwiefern unterscheidet sich das Verfassen eines Romans von der Fertigung eines Drehbuchs?

Das Entscheidende ist wahrscheinlich, dass ein Drehbuch eine Vorlage ist, also das Angebot von Möglichkeiten für [...]

0 Buchblog: Veröffentlicht am 16.02.2015 - 14:01 von Berlin Verlag

Thomas Wendrich liest aus EINE ROSE FÜR PUTIN

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Rezensionen und Pressestimmen

literaturkritik.de


»'Eine Rose für Putin' ist das vielversprechende Debüt eines Erzählers, der es geschickt versteht, verschiedene Geschichten miteinander zu verknüpfen, Realität und Fiktion auf oft unscheinbare Art und Weise ineinanderfließen zu lassen und sich dazu geschickt aus dem vorhandenen Arsenal literarischer Mittel und Motive zu bedienen.«   

rbb Kulturradio


»Der Drehbuchautor hat einen furiosen Debüt-Roman geschrieben.«   

BR "Neues vom Buchmarkt"


»Wendrichs Roman ist Roadnovel, Polit-Thriller und ein phantastisches Mosaik aus Rückblenden und Gegenwart – ein ungewöhnliches und spannend zu lesendes Debüt.«   

Der Tagesspiegel


»Nun, 45 Jahre später, gibt es wieder vertauschte Identitäten, Lügen und Geheimnisse, haarsträubend komisch ergänzt durch Schreib- und sonstige Krisen und verpackt in die Matroschkapuppe eines der originellsten Romane dieses Frühjahrs.«   

MDR Figaro


»Belohnt werden wir außerdem von Thomas Wendrichs exzellentem Sprachgefühl. Lustvoll und selbstbewusst treibt er uns durch die verschiedenen Ebenen seines komplexen, tragischen, komischen Buches. Der Rhythmus ist schnell. Der Stil lakonisch und selbstironisch. Ein Abenteuer in jeder Beziehung.«   

Radio AFK


»Aktuell und auch kritisch kann man Wendrich allen, die sich für Krimis interessieren, nur empfehlen.«   

flux fm


»In seinem ersten Roman 'Eine Rose für Putin' geht es um West und Ost, ein ungeheuerliches Verbrechen und den Wahnsinn, das Unfassbare festzuhalten.«   

WDR 5 "Bücher"


»Von den Kritikern hochgelobt, erzählt das Romandebüt des Schauspielers und Drehbuchautors Thomas Wendrich von der Ungeheuerlichkeit eines Verbrechens und der Unmöglichkeit , das Unfassbare dingfest zu machen.«   

Kommentare zum Buch
1. Eine Rose für Putin
Ich muß sagen, dass das ein grandioses Werk von Thomas Wendrich ist. Hier wird Ostdeutschland und Rußland ineinander vermischt, Grentübertritte, Putin in Ostdeutschland, dann alsKommunalpolitker und jetzt Staatsoberhaupt. Das Buch ist nicht in Kapiteln am 02.03.2015 - 20:33:39

Ich muß sagen, dass das ein grandioses Werk von Thomas Wendrich ist. Hier wird Ostdeutschland und Rußland ineinander vermischt, Grentübertritte, Putin in Ostdeutschland, dann alsKommunalpolitker und jetzt Staatsoberhaupt. Das Buch ist nicht in Kapiteln unterteilt, sondern in Blätter, da es ja das Regiebuch für einen Film sein sollte. Wahre Begebenheiten, Einbildungen, Fiktionen, Träume, Wahnvorstellungen und der Leser weiß nicht bzw.soll selbst feststellen, was an der ganzen Geschichte dran ist. Der Autor schreibt flüssig, manchmal sogar protokollmäßig. Man kann sich die Situationen, das Grauen bei manchen Geschehnissen bildhaft vorstellen. Dies ist überhaupt kein oberflächliches Buch sondern hier ist ein gewisser Schwierigkeitsgrad in der Lektüre zu sehen. Es sind verschiedentliche Ereignisse, zwischen die hin-und hergewechselt wird. Der Einband hat mich sofort interessiert. Im Laufe des Lesens bin ich dann dahintergekommen (oder glaube es zumindest), dass dies das Mädchen auf dem Schokoladenpapier darstellen soll, das auf dem Boden des Waisenhauses gefunden wurd. Große Augen, rote Backen und propper. So gesund sind Rußlands Kinder. Am Anfang des Buches ist das Jahr 1985. Boris Becker spielt. Ein Vater hält mit seinem Trabi und schaut in einem kleinen Fernsehen mit vielen anderen Männern das Spiel an. Die kleine Rose läßt er hinten im Auto liegen. Als er zurückkommt, ist das Kind weg. 20 Jahre später. In einem Spielzeugland läßt eine Mutter kurz den Kinderwagen stehen. Als sie zuückkommt, ist Marie nicht mehr da. Besteht da ein Zusammenhang. Da ist der junge Regisseur Johann, der mit seinem Chef M. in ein einsames Landhaus in Schlehendorf sich zurückzieht, um einen Film über die Kindesentführung zu machen. Aber dort in diesem einsamen Haus geschehen schreckliche Dinge, viel zu viel. Liegt es an dem vielen Alkoholgehalt der beiden Männer. Und dann wird bei ihnen die Pistole Putins gefunden aus seiner Militärzeit. Man kommt aus dem Denken nicht heraus und der Schluß ist etwas anders, als man sich vorstellen kann. Nach der Lektüre wird es so manches zu überdenken geben. Man kann sich so ein wenig in die Ost-Westsituation hineindenken. Wer ansprsuchsvolle Bücher liebt, dem kann ich dieses Buch nur empfehlen.

2. Cover
Franziska Hauser am 04.01.2015 - 22:34:20

Also das Cover ist ja voll der coole Oberhammer! Das würd ich nicht mit dem Rücken ins Regal schieben, sondern mit dem Gesicht vor alle anderen Bücher stellen.

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