Binewskis: Verfall einer radioaktiven Familie

Binewskis: Verfall einer radioaktiven Familie

Roman

Erschienen am 12.05.2014
Übersetzt von Monika Schmalz
512 Seiten
Gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-8270-1072-8
€ 22,99 [D], € 23,70 [A], sFr 30,90
Lieferzeit 2 Werktage

»»Binewskis« hat eine ganze Generation von verrückten Genies und Rebellen inspiriert… Katherine Dunn ist die Heldin des abgründigen Amerika.« Chuck Palahniuk, Autor von »Fight Club«

Arturo, der Fischjunge, ist der Star des Familienzirkus. Sein rhetorisches Talent begeistert die Zuschauer so sehr, dass sie ihn wie einen Gott verehren und alles geben würden, um zu werden wie er. Am meisten aber liebt ihn seine Schwester Olympia, sie steht auch dann noch zu ihm, als er die siamesischen Zwillinge gegeneinander aufbringt, als er skrupellos die magischen Fähigkeiten des Nesthäkchens Chick für seine Zwecke missbraucht.

Es ist Olympia, die buckelige Albino-Zwergin, die uns von ihrer Familie erzählt, von ihren Eltern, die sich durch unfassbare Experimente eine genetisch mutierte Freakshow heranzüchten. Sie berichtet von Geschwisterliebe und -konkurrenz, vom Kampf um Anerkennung in einer Welt des Über-Besonderen. Als Arturo in seinem Größenwahn kaum mehr zu halten ist, entwickelt sich ein dramatisches Spiel zwischen fanatischer Hingabe und mörderischer Abscheu.

Dutzende wunderlich-bezaubernde Figuren hinterfragen unsere Vorstellung von „Selbst“ und dem „Anderen“, normal und unnormal, Perfektion und Deformation. Was ist Schönheit? Und was ist die moderne Familie wert?

 

Wie viele der großen Romane der Moderne erzählt auch dieses Buch die Geschichte einer Familie. Doch die Binewskis sind die absonderlichste Verwandtschaft, die man sich vorstellen kann. Ein Roman, der Grenzen sprengt, und unseren Blick auf uns und unsere Gesellschaft verändert.

Leseprobe

1

Die Kernfamilie: Seine Reden, ihre Zähne

 

„Als eure Mama noch der Geek war, meine Traumkindchen“, sagte Papa immer, „machte sie das Abknabbern der Köpfe zu einem so funkelnden Geheimnis, dass die Hennen selbst sich nach ihr verzehrten, sie umtanzten, hypnotisiert vor Verlangen. ‚Öffne deine Lippen, süße Lil’, gackerten sie, ‚und zeig uns deine Hauer!’“

Genau diese Crystal Lil, unsere Mama mit den sternenfunkelnden Haaren, saß gemütlich auf dem Einbausofa, das nachts zu Artys Bett wurde, sah glucksend auf das Nähzeug auf ihrem Schoß und schüttelte den Kopf. „Red den Kindern nichts [...]

Katherine Dunn

Katherine Dunn

Katherine Dunn, geboren 1945 in Kansas City, ist Romanautorin und Journalistin für die L.A. Times und unzählige weitere Zeitungen und Magazine. Außerdem arbeitet sie als Radiomoderatorin und Kritikerin und ist eine der führenden Box-Reporterinnen der USA. Sie selbst steigt heute nicht mehr in den Ring, trainiert aber noch am Sandsack. Katherine Dunn hat 17 Jahre an »Binewskis« geschrieben und arbeitet seit 24 Jahren an ihrem nächsten Roman.

Rezensionen und Pressestimmen

Der Standard


»Was Dunn hier durchexerziert, ist ein reizvolles Gedankenexperiment: Schönheitsideale und die Dialektik, die sie in einer marktwirtschaftlich denkenden Welt entwickeln. [...]. Zweifellos ein Roman, der zu denken gibt.«   

Format


»Der scharfsinnige wie herrlich komische Roman über eine Artistenfamilie war in den USA in den 90er-Jahren Kult. [...]. Großartige Gesellschaftssatire!«   

Buchkultur


»Und es ist unwahrscheinlich, was in dieses Buch alles hineingezaubert wird. Immer dann, wenn man meint, man könne es sich auf einer Erzählebene bequem machen, dreht die Autorin die Schraube wieder um einige Windungen an, erfindet neue alptraumhafte Absonderlichkeiten und Absurditäten.«   

Die Presse


»"Binewskis" ist der schönste, schmerzvollste, fantasievollste, traurigste, verstörendste und berührendste Familienroman seit Langem. Man erahnt bei der Lektüre: Diese verrückten Binewskis, im Grunde sind sie uns doch recht ähnlich.«   

WDR 1Live


»Sprachgewaltig, derb, skurril, tabulos, überraschend, dabei aber auch witzig. [...]. Auf jeden Fall ein Muss-Buch!«   

annabelle


»Danke, Katherine Dunn! Für den umwerfenden Roman "Binewskis". Eine Ode an das krasseste, witzigste, anrührendste und abgründigste Buch des Jahres. [...]. Die "Binewskis" waren das Abgründigste, was mir je begegnet war, und zugleich zu Tränen rührend und atemberaubend witzig.«   

NEON


»"Binewskis. Verfall einer radioaktiven Familie" ist ein Buch wie ein Panoptikum, ein Familienroman, eine dunkel-schillernde Reflexion über die Frage nach Normalität und Perfektion in einem Mainstreamamerika [...]. An einem neuen Roman arbeitet Katherine Dunn seit 24 Jahren [...]. Es gibt kein Erscheinungsdatum und keine Vorhersage, wann er fertig sein könnte. Nur die Vorfreude darauf - und den leisen Neid, der so viele Dunn-Fans eint, auf alle jene, die das verstörende Wunder der Lektüre der "Binewskis" noch vor sich haben.«   

NDR Kultur "Neue Bücher"


»Wer Sapß haben will an diesen 500 - vor Verrücktheiten strotzenden - Seiten, sollte keine ethische Diskussion erwarten, sondern einen Panoptikums-Text, der später die Autorin Karen Russel zu ihrem Überraschungsdebüt "Swamplandia" ebenso inspirierte wie John Irving zu "Zirkuskind". Vor der Übersetzung von Monika Schmalz kann man sich nur verneigen.«    

SPIEGEL online


»"Binewskis" lässt sich lesen als Satire auf den Schönheitskult unserer Zeit: auf plastische Chirugie und Diätwahn. Aber auch als Satire auf Ich-Sucht und Individualismus als Religion. [...]. Dunns Sprache und ihr Ton sind mal saftig und mal versaut, mal blutig und mal tabulos, oft komisch und immer anschaulich.«   

Tages-Anzeiger


»Die heitere Selbstverständlichkeit, mit der Oly von ihrer schrecklich normalen Familie erzählt, ist starker Tobak. [...]. "Binewskis" ist eine verstörende, scharfsinnige Reflexion über Normalität und Abweichung: Familienroman, Gesellschafts- und Mediensatire und Hommage an die Beutelmenschen und bärtigen Frauen, die auf unser Mitgefühl und unsere Schönheitsideale pfeifen. [...]. Dunn feiert das Recht auf Anderssein, Weisheit und Stolz der Freaks, aber ihr Monstrositätenkabinett hat heute doch einiges von seiner Unschuld verloren.«   

Petra


»Außergewöhnlich! Diese Familiensaga beeindruckt mit Stil, einer grandiosen Heldin und der Frage, was heutzutage eigentlich noch normal ist. Schrill, schillernd, umwerfend.«   

Jolie


»Skandalös, absurd und absolut genial.«   

Frankfurter Allgemeine Zeitung


»Das lange Warten auf die Übersetzung - Monika Schmalz meistert die Untiefen und Wortspiele des Originals übrigens glänzend - hat sich gelohnt: "Binewskis" [...] ist eine verstörend scharfsinnige, brutal komische Reflexion über Normalität und Abweichung. [...]. Katherine Dunn erzählt kühl und lakonisch ungerührt, warmherzig und nostalgisch von Zwergen, die nicht klein beigeben.«   

WIEN Spiegel


»Kult!«   

Kommentare zum Buch
1. Binewskis erstürmen wieder Herzen
Laura am 20.09.2014 - 19:45:45

Die Binewski-Kinder sind aufgrund ihrer erzwungenen Andersartigkeit das große Kapital ihrer Zirkusfamilie. Wer ein Star werden will, braucht das nötige Potenzial. Ist ja immer so. Papa Binewski ist selbsternannter Freizeitarzt, immerhin kennt er sich gut genug mit allen möglichen Substanzen aus, die gerade eben so lebendige Babies aus dem Leib seiner Frau hervorkommen lassen (jedoch auch nicht immer). Schönerweise entspringen ihr keine lästigen Normalos, denn gesetzt wird auf möglichst überraschende Gliedmaßenzahl, am liebsten deren vollkommene Abstinenz. Wenn aber ein Frischling keinerlei Besonderheiten aufweist als einen Buckel und Albinismus, ist das schon einigermaßen enttäuschend. Jenes trifft auf die Erzählerin zu, Olympia, die wenigstens eine angenehme Stimme hat, mit der sie die Nummern ihrer Geschwister-Sternchen anmoderieren kann. Ihre ganz persönliche Geschichte ist die Geschichte der Binewskis, ähnlich jener der Buddenbrooks, eine Erzählung von Aufstieg und Zusammenbruch.   Ich verwechselte den Nachnamen unserer einzigartigen Protagonisten mit Aldous Huxleys Bokanovsky-Geburten, wobei Parallelen nicht wegzudenken sind. Immerhin handelt es sich bei dem Nachwuchs um absolute Wunschkinder, mal mehr, mal weniger. Ab und zu nicht freakig genug, trotz augenfälliger Besonderheiten. Katherine Dunn entwickelt den Begriff der Schönheit neu in seiner ganzen Abstraktion und Widerwärtigkeit.   Die Autorin lässt hinterfragen, was im Grunde schon immer hinterfragt worden ist, und doch auf eine ganz neue Weise, allen voran Moral, Schönheit, Selbstwert. Und was es sonst noch gibt. Ich habe keine Vorstellung davon, welche Bereiche mit dieser überwältigenden Geschichte insgesamt angesprochen werden. Ebenso bin ich mir sicher, dass es zu subjektiv würde, fühlte ich mich doch so direkt angesprochen und bei der Schulter gefasst, als wäre dieser Roman nur für mich. Womöglich ist er für jeden anders. Pervers, widerlich, genial, kurios, bunt, trist, milchig, säuerlich. Wie auch immer. Für meine Version trifft alles zu.   Die Originalausgabe wurde vor einer halben Ewigkeit bereits mit grandiosem Erfolg veröffentlicht, galt jedoch bisher als unübersetzbar. Ich will gar nicht erst wissen, wie viel durch die Dolmetscherei verloren gegangen ist, ich bin einfach froh über dieses Werk und die Möglichkeit, es auch auf Deutsch lesen zu können. Es handelt sich ganz offensichtlich um eines der ungewöhnlichen Sorte, aber nicht nur, weil möglichst viele schräge Anomalien hineingespritzt worden sind, sondern, weil trotz überwältigender Andersheit ganz sensibel an der Leserwahrnehmung herumgespielt wird.   Hinter einfacher Sprache steckt komplizierte Komposition. Zeitwechsel zwischen Glanz und Abfall erfrischen die Atmosphäre, paradoxerweise, und erwecken den Eindruck eines großen Geheimnisses, an welches Schritt für Schrittchen herangeführt wird. Der Leser weiß schon, was in etwa passiert sein muss, jedenfalls im Großen und Ganzen, aber er wird feinfühlig verunsichert, um am Ende mit der Nase ans wirklich Große gestoßen zu werden. Und dieses wirklich Große ist wie ein fünfköpfiger Drache mit Eselsohren und Rollschuhen an jeder Kralle, der seine Mäuler aufreißt, Wasserfontänen spritzen lässt und im Kanon brüllt: Du hast es eben nicht gewusst.   [http://www.laupezbks.blogspot.de]

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