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Ravel
Jean Echenoz
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Roman
Aus dem Französischen von Hinrich Schmidt-Henkel

112 Seiten   Gebunden
ISBN-13: 9783827006936

Erscheinungstermin: 23. Februar 2007

Leseprobe

»Bisweilen ringt man mit sich, ob man wirklich aus der Badewanne steigen soll. Erstens ist es bedauerlich, das warmeWasser zu verlassen, in dem ausgefallene Haare sich zwischen abgerubbelten Hautpartikeln um Seifenblasen ringeln, und sich der brutalen Luft eines ungenügend
beheizten Hauses auszusetzen. Sodann ist es stets eine umständliche Unternehmung, zumal, wenn der Rand dieser auf Greifenfüßen stehenden Wanne recht hoch ist und man selbst von geringem Wuchs, über ihn hinwegzusteigen, um mit suchendem Zeh nach den rutschigen Badezimmerfliesen zu tasten. Da heißt es Umsicht walten lassen, um sich weder am Wannenrand den Schritt zu prellen noch auszurutschen
und böse hinzuschlagen.Dies Ärgernis ließe sich natürlich durch eine maßgefertigte Badewanne lösen, doch das würde eine Ausgabe bedeuten, eine vielleicht noch größere als gerade kürzlich die Installation der Zentralheizung, die immer noch nicht den Ansprüchen
genügt. Besser, man bleibt im Wasser sitzen, bis zum Hals, stundenlang, wenn nicht gleich endlos, und dreht immer mal wieder mit dem rechten Fuß den ziehen soll, ein Umstand, der diese Gestimmtheit weiter verschlimmert. Er steigt die Treppe seines kleinen, kompliziert gebauten Hauses hoch:zum Garten hin hat es drei Stockwerke, von der anderen Seite sieht man nur eins. In der obersten Etage, die mithin ebenerdig zur Straße hinaus liegt, überblickt er diese prüfend durch das Flurfenster, um zu schätzen, in wie viele Kleidungsschichten die Passanten gehüllt sind, und sich so ein Bild zu verschaffen, was er anziehen muss. Aber es ist noch zu früh für Montfort-l’Amaury, draußen ist niemand und nichts außer einem kleinen, ganz und gar grauen und nicht mehr sehr neuen Peugeot 201, der bereits vor dem Haus steht, darin Hélène. Sonst ist von der Welt nichts zu sehen, am bedeckten Himmel befindet sich eine blasse Sonne. Auch ist noch von nirgends etwas zu hören, in der Küche herrscht Stille, da der abreisende Ravel Madame Révelot schon freigegeben hat.Wie üblich ist er spät dran, er zündet sich schimpfend eine Zigarette an und muss sich zu schnell anziehen, er greift auf gut Glück nach diesem und jenem Kleidungsstück. Dann gilt es, das Gepäck zu packen, was ihn zornig macht, obwohl es sich nur um ein Handköfferchen handelt: Die Schwadron seiner Koffer ist schon vor zwei Tagen nach Paris vorausgereist.«
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Am Piano
»Die Arbeit des Pianisten setzt strikte Disziplin voraus. Sie schließt jede Zerstreuung aus, die den Künstler vom Klavier fernhalten könnte. Dennoch würde auch er gerne einmal das Licht der Welt, die Süße des Lebens, die Lauheit der Luft oder die Liebe der Frauen genießen. Aber nein: ob tot oder lebendig, der Pianist muss sich zuerst seinem Publikum widmen.«

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Bibliographie
Am Piano
Ein Jahr
Cherokee
Ich gehe jetzt
Am Piano
Ein Jahr
Ravel
Laufen
Die großen Blondinen
Ich gehe jetzt
Laufen

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